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Der erste arabisch-israelische Krieg

Beginn des Krieges nach der Staatsgründung

Mit der Ausrufung des Staates Israel im Mai 1948, die im übergeordneten Kapitel bereits eingeordnet wurde, begann ein neuer Abschnitt der Gewalt. Aus einem bis dahin vor allem innerpalästinensischen Bürgerkrieg zwischen jüdischen und arabischen Gruppen wurde ein offener Krieg zwischen dem neuen Staat Israel und mehreren arabischen Nachbarstaaten.

Unmittelbar nach dem Ende des britischen Mandats griffen Armeen aus Ägypten, Transjordanien, Syrien, Irak und in geringerer Form dem Libanon das Gebiet des neuen Staates an. In der arabischen Welt wurde dies häufig nicht als Aggression, sondern als Versuch verstanden, die Umsetzung des UN-Teilungsplans zu verhindern und die arabische Bevölkerung Palästinas zu schützen. Auf israelischer Seite wurde der Krieg als existenzieller Abwehrkampf betrachtet, in dem die junge Gesellschaft ihre staatliche Existenz verteidigen müsse.

Kriegsparteien und militärische Strukturen

Auf israelischer Seite standen zunächst mehrere jüdische Untergrundmilizen, die bereits in der Mandatszeit aktiv gewesen waren. Diese wurden schrittweise in eine reguläre Armee überführt, die Israelische Verteidigungsarmee, auf Hebräisch kurz ZAHAL. Dieser Prozess war von Spannungen begleitet, da einige Gruppen eigene politische und militärische Ziele verfolgten. Die neue Regierung war bemüht, eine einheitliche Befehlskette zu schaffen, um die Kriegsführung zu zentralisieren.

Die arabischen Staaten traten nicht als einheitliche Armee auf. Transjordanien verfügte mit der Arabischen Legion über eine relativ gut ausgebildete Truppe, die teilweise von britischen Offizieren geführt wurde. Ägypten, Syrien und der Irak schickten eigene Kontingente, die unterschiedliche Ausrüstung, Ausbildungsgrade und Kriegsziele hatten. Die Koordinierung zwischen den arabischen Armeen war begrenzt und von Misstrauen geprägt, was sich auf den Verlauf des Krieges auswirkte.

Phasen des Krieges

Der Krieg verlief in mehreren klar unterscheidbaren Phasen. Bereits vor der Staatsgründung hatte es schwere Kämpfe und Massaker gegeben. Mit dem Eintritt der arabischen Staaten nahm der Konflikt die Form eines klassischen zwischenstaatlichen Krieges an.

In der ersten Phase nach Mai 1948 gelang es den arabischen Armeen, an mehreren Fronten vorzurücken und jüdische Siedlungen sowie Verkehrswege zu bedrohen. Besonders dramatisch war die Lage rund um Jerusalem und im Süden. Israel stand unter dem Druck, seine verstreuten Gebiete zu verbinden und Nachschub zu sichern.

Nach einer von den Vereinten Nationen vermittelten ersten Waffenruhe, in der beide Seiten versuchten, sich neu zu organisieren und aufzurüsten, änderte sich die Dynamik. Israel nutzte diese Zeit, um seine Armee zu konsolidieren, mehr Waffen zu beschaffen und Rekruten auszubilden. In den folgenden Offensiven erzielte Israel militärische Erfolge, drängte arabische Truppen zurück und erweiterte seine Kontrolle über Gebiete, die ihm im UN-Teilungsplan gar nicht oder nur teilweise zugesprochen worden waren.

Mehrere Waffenruhen und Wiederaufflammen der Kämpfe wechselten sich ab. Am Ende hatten die direkten Großoffensiven nachgelassen und der Krieg ging in eine Phase über, in der es mehr um begrenzte Operationen und Verhandlungen über Waffenstillstandsgrenzen ging als um die vollständige militärische Entscheidung auf dem Schlachtfeld.

Territoriale Veränderungen

Am Ende des Krieges kontrollierte Israel eine deutlich größere Fläche als im UN-Teilungsplan vorgesehen. Es hatte den sogenannten jischen Staat des Teilungsplans und darüber hinaus weitere Gebiete erobert, zum Beispiel weite Teile Galiläas sowie Gebiete im Süden bis an den Golf von Aqaba.

Transjordanien kontrollierte das Gebiet, das später als Westjordanland bezeichnet wurde, einschließlich der Altstadt von Jerusalem. Ägypten hielt den Gazastreifen. Syrien hielt kleinere Gebiete an der Nordgrenze. Ein palästinensischer Staat, wie er im Teilungsplan vorgesehen gewesen war, entstand nicht. Die Aufteilung des ehemaligen Mandatsgebiets erfolgte damit in erster Linie zwischen Israel und seinen Nachbarn, nicht zwischen Israelis und Palästinensern als politischen Kollektiven.

Diese territorialen Ergebnisse wurden nicht durch einen dauerhaften Friedensvertrag, sondern durch getrennte Waffenstillstandsabkommen mit jedem beteiligten arabischen Staat festgeschrieben. Die dabei gezogenen Linien sind als Grüne Linie bekannt geworden und bilden den Ausgangspunkt vieler späterer politischer Debatten.

Militärische Strategien und Kriegsziele

Israel verfolgte zu Beginn vor allem das Ziel, das Überleben des neuen Staates zu sichern. Daraus ergaben sich militärische Strategien, die auf die Verteidigung bestehender Siedlungen und Städte sowie die Sicherung von Versorgungswegen ausgerichtet waren. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf verschoben sich die Ziele teilweise. Es ging nun auch um die Schaffung strategisch günstiger Grenzen, um Gebiete mit überwiegend jüdischer Bevölkerung zu verbinden und militärisch verwundbare Grenzverläufe zu verändern.

Die arabischen Staaten hatten keine vollständig abgestimmte Strategie. Ein gemeinsames Ziel war zwar, die Gründung Israels rückgängig zu machen oder zumindest seine Ausdehnung zu begrenzen, aber jedes Land verfolgte zusätzlich eigene Interessen. Transjordanien war besonders daran interessiert, das Westjordanland mit seinen historischen und religiösen Stätten zu kontrollieren. Ägypten wollte seine regionale Stellung stärken und nicht ins Hintertreffen geraten. Die fehlende Einheit der Kriegsziele schwächte die arabische Kriegsführung.

Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung

Der Krieg hatte unmittelbare und langfristige Folgen für Zivilisten. Viele Städte und Dörfer wurden zu Frontgebieten. Es kam zu Belagerungen, Vertreibungen, Plünderungen und gezielten Angriffen auf Ortschaften. Bereits in der vorangegangenen Gewaltphase waren zahlreiche palästinensische Dörfer entvölkert worden. Während des offenen Krieges setzten sich diese Prozesse fort und weiteten sich aus.

Jüdische Gemeinden, die in überwiegend arabischen Gebieten lebten, gerieten ebenfalls unter Druck. Einige wurden evakuiert oder zerstört. In Jerusalem erfolgte eine Teilung der Stadt, die viele Familien zerriss. Die Folgen für die palästinensische Bevölkerung, die Flucht und Vertreibung in großer Zahl erlebte, werden im eigenen Kapitel zur Nakba ausführlicher behandelt. Hier ist wichtig zu verstehen, dass der Krieg für die meisten Menschen nicht als klar abgegrenztes militärisches Ereignis, sondern als grundlegender Einschnitt im Alltag und in der sozialen Struktur ihrer Gemeinschaften erlebt wurde.

Internationale Vermittlung und Rolle der UN

Die Vereinten Nationen versuchten während des Krieges wiederholt zu vermitteln. Sie ernannten Vermittler, die zwischen den Konfliktparteien verhandeln sollten, organisierten Waffenruhen und entsandten Beobachter. Einer dieser Vermittler, der schwedische Diplomat Folke Bernadotte, wurde 1948 in Jerusalem ermordet. Die Umstände und Hintergründe dieses Attentats sind umstritten, machten jedoch deutlich, wie polarisiert die Situation war und wie gefährlich Vermittlungsversuche sein konnten.

Die UN-Waffenstillstandslinien, die im Laufe des Jahres 1949 vereinbart wurden, hatten keinen Status von endgültigen Grenzen. Sie waren formal nur militärische Kontaktlinien, doch in der politischen Praxis wurden sie zu einer Art faktischer Grenze, die internationale Diskurse und spätere Verhandlungen stark prägte. Zugleich zeigte sich, dass internationale Organisationen zwar Einfluss nehmen konnten, aber nicht in der Lage waren, eine umfassende und für alle Seiten akzeptable Lösung durchzusetzen.

Kriegsende ohne Frieden

Mit den Waffenstillstandsabkommen des Jahres 1949 endete der offene Krieg, aber ein wirklicher Frieden wurde nicht erreicht. Keiner der arabischen Staaten erkannte Israel offiziell an. Israel seinerseits betrachtete die Waffenstillstandsgrenzen als unbefriedigend, sowohl aus sicherheitspolitischer Sicht als auch im Hinblick auf künftige territoriale Ansprüche.

Auf beiden Seiten blieb das Gefühl zurück, dass zentrale Ziele unerfüllt geblieben waren. Viele Araber betrachteten den Ausgang des Krieges als schwere Niederlage und Demütigung. Viele Juden erlebten den militärischen Erfolg als Überlebenssicherung, sahen jedoch zugleich die anhaltende Bedrohung und die ungelöste Flüchtlingsfrage.

Der Krieg von 1947 bis 1949 schuf damit nicht nur neue Grenzen, sondern auch neue Traumata, kollektive Erinnerungen und politische Narrative, die den Konflikt in den folgenden Jahrzehnten maßgeblich prägen sollten.

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