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Von 1949 bis 1967

Politische Neuordnung nach dem Krieg

Nach dem Krieg von 1947 bis 1949 war die Landkarte der Region grundlegend verändert. Der neue Staat Israel kontrollierte ein größeres Gebiet, als ihm im UN-Teilungsplan zugedacht gewesen war. Der Gazastreifen gelangte unter ägyptische Militärverwaltung, das Westjordanland wurde von Jordanien annektiert, Ostjerusalem wurde jordanisch, während Westjerusalem unter israelische Kontrolle kam. Die Waffenstillstandsabkommen von 1949 legten die sogenannten Grünen Linien fest, also Waffenstillstandslinien, die jedoch keine anerkannten internationalen Grenzen waren.

Diese Neuordnung schuf eine politische und rechtliche Grauzone. Die arabischen Staaten und die meisten Palästinenser betrachteten Israel nicht als legitimen Staat, während Israel seine internationale Anerkennung ausbauen wollte und gleichzeitig mit der Tatsache lebte, dass viele Nachbarn den Zustand nur als vorübergehenden Waffenstillstand und nicht als Ende des Krieges sahen. Für die palästinensische Bevölkerung bedeutete die Aufteilung, dass sie nun unter sehr unterschiedlichen Herrschaften und Rechtssystemen lebte. Viele palästinensische Flüchtlinge waren in den Nachbarstaaten und in Lagern entlang der neuen Linien gestrandet.

Kalter Krieg und regionale Lagerbildung

Die Jahre nach 1949 standen stark unter dem Einfluss des Kalten Krieges. Die USA und die Sowjetunion rangen um Einfluss im Nahen Osten. Israel suchte zunächst Unterstützung bei westlichen Staaten, insbesondere Frankreich, Großbritannien und später immer stärker bei den USA. Viele arabische Regierungen hingegen suchten, vor allem ab den 1950er Jahren, Beziehungen zur Sowjetunion und versuchten so, militärische und wirtschaftliche Hilfe zu erhalten, ohne sich an westliche Bedingungen binden zu müssen.

Diese Blockbildung war jedoch nie vollständig. Einige Staaten versuchten, zwischen den Lagern zu manövrieren, andere wechselten mehrfach ihren Kurs. Für den israelisch-palästinensischen Konflikt bedeutete der Kalte Krieg, dass Waffenlieferungen, diplomische Rückendeckung und ideologische Deutungen des Konflikts zunehmend durch die globale Systemkonkurrenz geprägt wurden. Der Konflikt wurde so nicht nur als regionale Auseinandersetzung, sondern auch als Teil eines weltweiten Kampfes zwischen Ost und West interpretiert.

Der Aufstieg des arabischen Nationalismus

In der arabischen Welt gewannen in den 1950er und 1960er Jahren nationalistische Bewegungen an Kraft, die sich gegen Kolonialismus, Monarchien und westlichen Einfluss richteten. Ein Schlüsselakteur war Ägypten unter Gamal Abdel Nasser, der nach der Revolution von 1952 eine republikanische, panarabische Politik verfolgte. Nasser präsentierte sich als Führungsfigur der arabischen Welt und machte die Unterstützung der palästinensischen Sache zu einem zentralen Element seiner Legitimation.

Die Idee eines gemeinsamen arabischen Projekts, das über nationale Grenzen hinausging, gewann an Popularität. Viele Menschen hofften, dass nur ein geeinter arabischer Block in der Lage sein würde, Israel militärisch zu besiegen und die als ungerecht empfundenen Nachkriegsordnungen zu revidieren. Die palästinensische Frage wurde dabei häufig in einen größeren Rahmen gestellt und als Teil des Kampfes gegen Imperialismus und Kolonialismus verstanden.

Der Suezkonflikt von 1956

Ein entscheidender Moment dieser Periode war der Suezkonflikt 1956. Nachdem Ägypten den Suezkanal verstaatlicht hatte, planten Großbritannien, Frankreich und Israel eine gemeinsame Militäraktion. Israel marschierte auf die Sinai-Halbinsel vor, während britische und französische Truppen in der Kanalzone intervenierten. Offiziell zielte die Operation auf die Wiedereröffnung der Schifffahrtswege und die Eindämmung ägyptischer Einflüsse, tatsächlich ging es auch um die Schwächung Nassers.

Die militärische Offensive verlief zunächst erfolgreich, doch der internationale Druck vor allem seitens der USA und der Sowjetunion zwang die Angreifer zum Rückzug. Für Israel brachte der Konflikt kurzfristig militärische Vorteile und Zugang zur Schifffahrt im Golf von Akaba, langfristig zeigte er jedoch, wie abhängig das Land von der Haltung der Großmächte war. Für die arabische Öffentlichkeit wurde Nasser trotz militärischer Rückschläge zum Symbol des Widerstands, da er den politischen Druck der Großmächte überstand und an der Macht blieb.

Grenzen, Infiltration und Vergeltung

Zwischen 1949 und 1967 waren die Waffenstillstandslinien Brennpunkte ständiger Spannungen. Palästinensische Flüchtlinge versuchten, in ihr ehemaliges Land zurückzukehren, Ernten einzubringen oder Besitz zu retten. In den israelischen Quellen wurden diese Menschen häufig als Infiltratoren oder Fedajin bezeichnet. Manche dieser Grenzübertritte waren rein zivil motiviert, andere hatten bewaffneten Charakter und zielten auf Sabotage oder Angriffe.

Israel reagierte zunehmend mit militärischen Vergeltungsaktionen. Diese sollten zum einen die Grenzübertritte eindämmen, zum anderen eine abschreckende Wirkung auf die arabischen Nachbarstaaten haben, denen Israel vorwarf, die Aktivitäten nicht zu verhindern. Es entwickelte sich ein Kreislauf aus Angriffen, Gegenangriffen und gegenseitigen Beschuldigungen, der das Misstrauen und die Feindbilder auf beiden Seiten vertiefte.

Arabische Staaten zwischen Konfrontation und Stabilität

Für die arabischen Regierungen war der Umgang mit dem Konflikt ein Balanceakt. Einerseits standen sie innenpolitisch unter Druck, eine harte Haltung gegenüber Israel einzunehmen und die palästinensische Sache zu unterstützen. Andererseits fürchteten sie eine direkte militärische Konfrontation, die sie möglicherweise verlieren würden, sowie die Instabilität, die ein offener Krieg mit sich bringen konnte.

Jordanien etwa hatte mit der Annexion des Westjordanlands viele Palästinenser unter seine Herrschaft genommen, musste aber zugleich seine eigene Herrschaft absichern, die nicht von allen als legitim angesehen wurde. Ägypten versuchte in Gaza seinen Einfluss zu sichern und gleichzeitig zu verhindern, dass der Streifen zu einem völlig unkontrollierten Konfliktherd wurde. Libanon und Syrien waren ebenfalls mit internen Herausforderungen beschäftigt und suchten eigene Wege, zwischen Rhetorik und realer Politik zu vermitteln.

Israelische Staatskonsolidierung und Sicherheitsdoktrin

In Israel stand die Konsolidierung des neuen Staates im Zentrum. Die Regierung musste Hunderttausende jüdische Einwanderer integrieren, Institutionen aufbauen und gleichzeitig mit der ständigen Bedrohung durch mögliche Angriffe leben. Aus dieser Lage entwickelte sich eine Sicherheitsdoktrin, die auf schneller Mobilisierung, technischer Überlegenheit und der Bereitschaft zu präventiven und massiven militärischen Schlägen beruhte.

Die geografische Enge des Landes, insbesondere vor 1967, prägte das Denken vieler israelischer Entscheidungsträger. Der Raum zwischen der Mittelmeerküste und der Grünen Linie war an einigen Stellen nur wenige Kilometer breit. Dies verstärkte das Gefühl der Verwundbarkeit und trug dazu bei, dass Bedrohungen oft in existenziellen Kategorien wahrgenommen wurden. Aus israelischer Sicht waren selbst kleinere Grenzzwischenfälle Teil eines größeren Musters, das potenziell in einen umfassenden Krieg münden konnte.

Die palästinensische Frage ohne eigenen Staat

In dieser Periode existierte kein eigener palästinensischer Staat oder eine international anerkannte palästinensische Regierung. Die Gebiete mit großer palästinensischer Bevölkerung standen unter israelischer, jordanischer, ägyptischer oder libanesischer Kontrolle. Die Interessen dieser Staaten deckten sich jedoch nicht immer mit den Anliegen der Palästinenser.

Die palästinensische Frage wurde zwar in der arabischen Öffentlichkeit stark betont, blieb aber politisch oft von den Kalkülen der jeweiligen Regime abhängig. Viele Entscheidungen zur Kriegsführung, zu Waffenstillständen oder zur diplomatischen Strategie trafen die Nachbarstaaten primär auf Grundlage eigener Staatsinteressen. Für die palästinensische Bevölkerung entstand so das Gefühl, zugleich Symbol einer größeren Sache und doch politisch ohnmächtig zu sein.

Hin zum nächsten Krieg

Gegen Ende der 1960er Jahre verdichteten sich mehrere Faktoren zu einer neuen Krisensituation. Aufrüstungsbemühungen, verschärfte Rhetorik, ungelöste Flüchtlingsfragen und ständige Zwischenfälle an den Grenzen schufen ein Klima wachsender Unsicherheit. Die Ereignisse dieser Jahre, einschließlich innerarabischer Rivalitäten und internationaler Spannungen, trugen dazu bei, dass die Lage Schritt für Schritt eskalierte.

Zwischen 1949 und 1967 entstand so eine fragile Ordnung, die nie zu einem stabilen Frieden wurde. Sie beruhte auf Waffenstillständen, gegenseitigem Misstrauen und einer Reihe ungelöster Grundfragen. Diese Struktur war anfällig für jede neue Krise und bildete den Hintergrund für den nächsten großen Einschnitt, der mit dem Sechstagekrieg von 1967 einsetzte.

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