1.3.1. Story
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chronologische Ereignisse
Wenn wir von der Story einer Geschichte sprechen, meinen wir zuerst die Gesamtheit aller Ereignisse, die innerhalb der erfundenen Welt in einer bestimmten zeitlichen Reihenfolge geschehen. Diese Ereignisse bilden eine Chronologie, also eine Verknüpfung von Momenten, die sich wie eine Zeitleiste vom frühesten relevanten Punkt bis zum spätesten erstreckt. Für das Verständnis ist wichtig: Die Story folgt der inneren Zeit der Figurenwelt, nicht der Reihenfolge, in der das Publikum die Szenen später zu sehen oder zu lesen bekommt.
Du kannst dir die Story als die Antwort auf die Frage vorstellen: „Was ist in dieser Welt in welcher Reihenfolge passiert, wenn ich so tun würde, als wäre alles wirklich geschehen?“ Dabei gehören zu dieser Chronologie auch Ereignisse, die nie direkt gezeigt, sondern nur erwähnt, angedeutet oder aus den Konsequenzen erschlossen werden. Die Aufgabe der Autorin oder des Autors besteht darin, diese zeitliche Kette innerlich klar zu haben, selbst wenn der spätere Plot die Ereignisse anders sortiert oder teilweise ausblendet.
Es entsteht so etwas wie eine innere Zeitleiste: Ganz links die frühesten Ursachen und Auslöser, ganz rechts die letzten Folgen und der neue Zustand der Welt. Je besser du diese chronologische Story kennst, desto freier kannst du später bei der Plotauswahl und bei nichtlinearen Erzählformen arbeiten, ohne innere Logikbrüche zu riskieren.
Eine Story ist die gedachte Gesamtheit aller relevanten Ereignisse in ihrer inneren, zeitlichen Reihenfolge, unabhängig davon, wie sie im Plot angeordnet oder inszeniert werden.
Hintergrundgeschichte
Zur Story gehört nicht nur das, was im „Jetzt“ der eigentlichen Handlung geschieht, sondern auch alles, was davor die Ausgangslage der Figuren und der Welt geprägt hat. Diese Ebene nennt man Hintergrundgeschichte oder Backstory. Sie erklärt, warum Figuren heute so sind, wie sie sind, und warum bestimmte Konflikte überhaupt existieren können.
Hintergrundgeschichte umfasst zum Beispiel frühere Beziehungen, alte Konflikte, vergangene Entscheidungen, historische Ereignisse oder lange zurückliegende gesellschaftliche Entwicklungen. Auf der Story-Zeitleiste liegen diese Punkte zeitlich vor der Hauptkonfliktebene, sind aber für deren Verständnis oft entscheidend. Ohne die Backstory kann die aktuelle Situation leer und zufällig wirken.
Wichtig ist, dass die Hintergrundgeschichte Teil der Story ist, auch wenn sie im Plot vielleicht nur durch einen kurzen Dialog, ein Foto, eine Narbe oder eine Andeutung spürbar wird. Du musst als Autorin oder Autor nicht jedes Detail vollständig ausarbeiten, aber du brauchst ein Gefühl dafür, welche früheren Ereignisse die heutige Lage begründen. Die Hintergrundgeschichte ist wie das unsichtbare Fundament, auf dem die sichtbare Handlung steht. Wenn das Fundament wackelig ist oder innerlich widersprüchlich, wirkt auch die laufende Story unglaubwürdig.
Vorgeschichte
Die Vorgeschichte ist der Teil der Story, der zeitlich direkt vor dem Beginn der erzählten Haupthandlung liegt. Oft überschneidet sie sich mit der Hintergrundgeschichte, ist aber stärker auf die unmittelbare Ausgangssituation fokussiert. Sie beantwortet Fragen wie: „Was ist in den Tagen, Wochen oder Monaten passiert, bevor die erste Szene einsetzt? In welchem Zustand treffen wir die Figuren genau jetzt an?“
Typische Elemente der Vorgeschichte sind etwa die letzte gescheiterte Beziehung der Hauptfigur, der kürzlich verlorene Job, ein ungeklärter Streit oder eine gerade begonnene Bedrohung. Diese Ereignisse sind noch frisch und prägen den Moment, in dem die Story für das Publikum einsetzt. Auf der Zeitleiste stehen sie also kurz vor dem Startpunkt des Plots, sind aber dennoch eigenständige Story-Bausteine.
Für dich als Autorin oder Autor hat die Vorgeschichte eine doppelte Funktion. Erstens hilft sie dir, die innere Logik des Status quo zu verstehen: Warum ist die Figur heute an genau diesem Punkt, mit genau diesen Hoffnungen, Ängsten und Beziehungen? Zweitens liefert sie dir potenzielles Material für später: Teile der Vorgeschichte können im Verlauf der Handlung nach und nach enthüllt werden und so neue Bedeutungen und Konflikte erzeugen. Auch wenn die Vorgeschichte nicht ausführlich beschrieben wird, bleibt sie Teil der chronologischen Storystruktur.
Ereignisse außerhalb der dargestellten Handlung
Die Story einer erfundenen Welt ist immer größer als das, was in Szenen tatsächlich gezeigt oder ausgeschrieben wird. Viele Ereignisse bleiben außerhalb der dargestellten Handlung, gehören aber dennoch zur inneren Story. Dazu zählen zum Beispiel politische Entwicklungen im Hintergrund, Alltagsroutinen von Nebenfiguren, unterbrochene Reisezeiten oder auch lange Phasen, in denen „nichts Wichtiges“ passiert, die aber zeitlich existieren müssen, damit die Story in sich stimmig bleibt.
Solche Ereignisse können auf verschiedene Weise im Werk spürbar werden: Figuren beziehen sich in Dialogen darauf, Zeitangaben oder Datumswechsel deuten längere Abstände an, Veränderungen im Zustand der Welt oder der Figuren lassen auf dazwischen liegende Entwicklungen schließen. Auf der Story-Zeitleiste füllen diese unsichtbaren Stücke die Lücken zwischen den gezeigten Knotenpunkten.
Für deine Arbeit ist wichtig, diese unsichtbaren Segmente nicht völlig zu ignorieren. Du musst sie nicht im Detail ausformulieren, aber du solltest dir darüber klar werden, was ungefähr in diesen Zwischenräumen geschieht und wie viel Zeit vergeht. Dadurch vermeidest du Unstimmigkeiten in Alter, Wegen, Fristen und Entwicklungen. Die Story bleibt so ein zusammenhängender Fluss, auch wenn der Plot daraus nur ausgewählte Wellen zeigt.
kausale Zusammenhänge
Chronologie allein macht aus einer Reihe von Ereignissen noch keine Story. Erst wenn zwischen den Ereignissen kausale Zusammenhänge bestehen, also wenn ein Ereignis ein anderes verursacht oder zumindest plausibel vorbereitet, entsteht eine erzählerische Einheit. Innerhalb der Story bedeutet das, dass spätere Zustände aus früheren logisch hervorgehen. Entscheidungen haben Folgen, Taten erzeugen Reaktionen, äußere Umstände formen neue Konflikte.
In einer konsistenten Story kannst du entlang der Zeitleiste immer wieder Fragen stellen wie: „Warum ist das passiert?“ und eine Antwort im Vorherigen finden. Umgekehrt kannst du beim Betrachten eines frühen Ereignisses fragen: „Was hat das später ausgelöst?“ und findest Konsequenzen im Nachfolgenden. So bilden sich Ketten von Ursache und Wirkung, die oft über viele Stationen reichen. Eine frühe Kleinigkeit kann sich zum Auslöser eines weitreichenden Konflikts entwickeln.
Eine starke Story folgt möglichst oft dem Prinzip „deshalb“ oder „weil“ zwischen den Ereignissen, nicht bloß „und dann“. Ereignisse sollten also vorzugsweise auseinander hervorgehen, statt einfach nur zufällig nacheinander aufzutreten.
Diese kausalen Zusammenhänge gelten für alle Ebenen der Story: für Hintergrundgeschichte, Vorgeschichte, Haupthandlung und spätere Konsequenzen. Vielleicht führt ein Kindheitserlebnis zu einer bestimmten Überzeugung, diese Überzeugung beeinflusst Jahrzehnte später eine Entscheidung, diese Entscheidung löst einen Konflikt aus und der Konflikt verändert wieder die Welt der Figur. Für dich bedeutet das, dass du die Story als verknüpftes System von Ursachen und Wirkungen denken solltest, bevor du entscheidest, welche Ausschnitte davon im Plot erscheinen und in welcher Reihenfolge das Publikum sie zu sehen bekommt.
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