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22.6.1. Grundkonzept

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Logline

Das Grundkonzept einer Serie beginnt fast immer mit einer klaren Logline. Für Serien gilt alles, was du im Kapitel zu Loglines lernst, mit einem Zusatz: Deine Logline muss nicht nur eine einmalige Geschichte tragen, sondern eine Serie von Geschichten ermöglichen.

Eine Serien-Logline beantwortet mindestens vier Fragen:

  1. Wer steht im Zentrum der Serie?
  2. In welcher wiederkehrenden Situation oder Welt befindet sich diese Figur?
  3. Welcher Grundkonflikt sorgt immer wieder für neue Probleme?
  4. Worin steckt das langfristige Versprechen der Serie?

Typische Serien-Loglines kombinieren daher eine Figur mit einer klaren Prämisse und einer Story Engine. Ein einfaches Muster ist:

Serien-Logline-Formel:
Wenn [ungewöhnige Ausgangssituation], muss [zentrale Figur] in [wiederkehrender Konfliktsituation] [immer wieder etwas tun], sonst [drohende Konsequenz / Dauerproblem].

Im Gegensatz zur Logline eines Films betonst du weniger den Weg zu einem endgültigen Ende, sondern die Art von Konflikten, die sich immer wieder ergeben. Ein Beispiel ausgedacht: „Ein idealistischer junge Anwalt muss in einer skrupellosen Großkanzlei täglich entscheiden, wie weit er für Karriere und Gerechtigkeit gehen will.“ Hier ist klar, dass jede Episode eine neue Fallkonstellation und eine neue moralische Entscheidung bringen kann.

Achte bei deiner Serien-Logline besonders auf Klarheit und Wiederholbarkeit. Wenn man nach der Logline sofort verschiedene mögliche Episoden-Ideen formulieren kann, funktioniert dein Grundkonzept.

Genre

Das Genre einer Serie ist nicht nur ein Etikett, sondern Teil des Grundkonzepts. Genre definiert, welche Art von Konflikten und erzählerischen Erwartungen du versprichst und wie der Ton ungefähr aussehen wird. Für Serien ist das entscheidend, weil Zuschauende eine Erwartung an Wiedererkennbarkeit entwickeln: Sie kommen zurück, weil sie ungefähr wissen, welche Art Erlebnis sie bekommen.

Beim Grundkonzept solltest du möglichst präzise benennen, in welchem Genre deine Serie spielt und ob es klare Genre-Mischungen gibt. „Crime-Drama“, „Workplace-Comedy“, „Romantische Dramedy“, „Sci-Fi-Thriller“ sind Beispiele für Kombinationen, die schon viel über typische Episodenkonflikte verraten.

Eine einfache Faustregel hilft bei der Klärung:

Genre-Frage für Serien:
Welches Versprechen mache ich dem Publikum für jede Folge?
Spannung? Lachen? Rätsel? Romantik? Emotionale Fallgeschichten? Weltentdeckung?

Wichtig ist auch, wie stabil dein Genre bleiben soll. Viele erfolgreiche Serien haben ein klares Kern-Genre, erlauben aber einzelne Episoden, die leicht in andere Richtungen gehen, ohne das Grundversprechen zu brechen. Bei der Entwicklung des Grundkonzepts musst du definieren, was unverhandelbar ist. Wenn du sagst: „Es ist immer ein Kriminalfall im Zentrum“ oder „Im Mittelpunkt steht immer eine romantische Entscheidung“, schaffst du einen Rahmen, in dem später Autorinnen und Autoren arbeiten können.

Gerade bei High-Concept-Serien ist das Genre eng mit der Ausgangssituation verknüpft. Bei einem „Zeitreise-Cop“ ist fast automatisch klar, dass es um Kriminalfälle und Zeitreisekonsequenzen geht. Achte darauf, dass dein Genre zur Story Engine passt, die in der Serienbibel an anderer Stelle genauer beschrieben wird, und dass sich beides gegenseitig stärkt statt verwässert.

Ton

Ton beschreibt das Gefühl, das deine Serie vermittelt. Zwei Serien können dasselbe Genre haben, sich aber völlig anders anfühlen. Eine Krimiserie kann schwer und düster sein oder leicht, dialogwitzig und warmherzig. Im Grundkonzept definierst du, in welchem emotionalen und stilistischen Spektrum sich deine Serie bewegt.

Hilfreich sind klare Gegensätze, um sich einzuordnen. Du kannst dein Projekt beispielsweise auf Skalen verorten wie:

SkalaPol 1Pol 2
Humorsehr ernstsehr komödiantisch
Realismusrealistisch geerdetstark stilisiert
Emotiondistanziertsehr emotional
Temporuhig / kontemplativschnell / hektisch
Licht / Stimmunghell / freundlichdunkel / bedrohlich

Im Grundkonzept reicht oft eine kurze Ton-Beschreibung, etwa: „Realistisches, humorvolles Beziehungsdrama mit warmem, optimistischem Grundton trotz ernster Themen.“ Oder: „Düsterer, paranoider Tech-Thriller mit kalter, distanzierter Atmosphäre.“

Hilfreich ist auch der Bezug auf Referenzen. Nicht als Kopie, sondern als Orientierung: „Tonal ähnlich wie ‚X‘, aber im Setting von ‚Y‘.“ Damit machst du sofort verständlich, welche Art Zuschauererlebnis du anstrebst.

Achte darauf, dass Ton, Genre und Logline zusammenpassen. Eine leichtfüßige Workplace-Comedy über Bestatter hat einen anderen Ton als ein schwarzer, nihilistischer Bestatter-Thriller, obwohl gewisse Elemente (Tod, Beerdigungen) identisch sein können. Wenn dein Konzept tonal unklar bleibt, wirkt die Serie in der Vorstellung schwammig. In der Serienbibel ist eine präzise Tonangabe daher ein wichtiges Verkaufsargument, aber auch ein internes Steuerungsinstrument für alle Kreativen.

Zielgruppe

Im professionellen Umfeld gehört die Zielgruppe klar zum Grundkonzept einer Serie. Sie beeinflusst nahezu jede weitere Entscheidung: Thema, Figurenalter, Komplexität der Struktur, Grad der Gewalt, Humorart, Episodenlänge und Veröffentlichungsform.

Für dein Grundkonzept musst du nicht mit Marketing-Begriffen arbeiten, aber du solltest konkret beantworten, für wen du die Serie erzählst. Nützlich sind Fragen wie:

Wer soll sich in den Figuren wiedererkennen?
In welcher Lebensphase befinden sich diese Menschen?
Welche Themen beschäftigen sie?
Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit bringen sie typischerweise mit?

Große Zielgruppenbeschreibungen können so aussehen: „Junge Erwachsene Anfang 20, die gerade zwischen Ausbildung, Studium und ersten Jobs ihren Platz suchen“ oder „Erwachsene ab 35, die sich für Familienkonflikte und berufliche Neuorientierung interessieren“. Du kannst auch Plattform- und Sehgewohnheiten mitdenken, etwa Serien zum Bingen mit Cliffhangern versus kürzere, in sich geschlossene Episoden für ein eher älteres Publikum.

Wichtig ist, dass Zielgruppe nicht bedeutet, dass andere Menschen die Serie nicht sehen dürfen. Es ist ein Fokus, damit das Grundkonzept konsistent bleibt. Bestimmte Kombinationen machen sich dabei gegenseitig plausibel: Eine sehr komplex erzählte Mystery-Serie mit vielen Zeitebenen zielt meist auf ein eher serielles, binge-orientiertes Publikum, eine warmherzige Familienserie mit abgeschlossenen Episoden eher auf ein breites Publikum mit gelegentlichem Einschalten.

Beim Schreiben des Grundkonzepts hilft eine letzte Kontrollfrage:

Zielgruppen-Check:
Passt meine Logline zu dem, was meine Zielgruppe spannend oder relevant findet, und stimmt das mit Genre und Ton überein?

Wenn du diese vier Elemente Logline, Genre, Ton und Zielgruppe stimmig aufeinander abstimmst, hast du ein belastbares Grundkonzept, auf dem du die restliche Serienbibel aufbauen kannst.

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