KAHIBARO Bookshelves
Discord Login Register

32.8.4. Format

Szenenüberschriften

Formatfragen wirken klein, entscheiden aber darüber, ob ein Drehbuch professionell lesbar ist. Für dein Abschlussprojekt gilt: Je „unsichtbarer“ das Format, desto leichter können sich Leserinnen und Leser auf die Story konzentrieren. Szenenüberschriften sind der erste Prüfstein.

Eine vollständige Szenenüberschrift enthält immer dieselben Informationstypen: Innen oder außen, Ort, Tageszeit. Im Standardformat sieht das so aus:

INT. KÜCHE – ABEND
EXT. PARK – TAG
INT./EXT. AUTO – TAG

Wichtig ist die konsequente Schreibweise: Alles in Großbuchstaben, Abkürzungen wie INT. und EXT. mit Punkt, der Bindestrich trennt Ort und Zeit. In deinem Abschlussdrehbuch sollten alle Szenenüberschriften nach diesem Muster aufgebaut sein. Wenn du Unterorte verwendest, reicht der klare Hauptort mit Ergänzung, zum Beispiel: INT. KRANKENHAUS – FLUR – NACHT. Achte darauf, Orte immer gleich zu benennen, damit niemand rätseln muss, ob „KÜCHE“ und „WOHNUNGSKÜCHE“ derselbe Raum sind.

Ein häufiger Fehler in Abschlussprojekten sind „sprechende“ Szenenzeilen, etwa: INT. KÜCHE – ABEND – ANNA IST TOTAL FERTIG. Die Szenenüberschrift darf keine inhaltliche Bewertung oder Emotion enthalten, sie definiert nur Raum und Zeit. Was „Anna ist total fertig“ bedeutet, gehört in die Handlungsbeschreibung und muss visuell nachvollziehbar sein.

Für, CONTINUOUS, MOMENTS LATER oder LATER kannst du dich entscheiden, ob du diese Zusätze überhaupt brauchst. In einem Lehrdrehbuch ist es meist klarer, mit TAG, NACHT, MORGEN oder ABEND zu arbeiten und zeitliche Übergänge in der Beschreibung oder durch Schnittlogik zu verdeutlichen. Wenn du Zusätze verwendest, halte dich an eine Handvoll klarer Begriffe und setze sie konsequent ein.

Prüfe am Ende deine Szenenliste gegen das Drehbuch: Stimmt jede Szeneüberschrift mit der geplanten Struktur überein? Gibt es Sprünge in Zeit oder Raum, die in der Überschrift nicht klar werden? Jede neue Szene braucht eine neue Überschrift. Wechselst du in derselben Szene nur die Position im gleichen Raum minimal, bleibt die Überschrift oft gleich, alles andere wird über die Beschreibung gelöst. Sobald es sich filmisch wie ein echter Szenenwechsel anfühlt, gehört eine neue Überschrift ins Drehbuch.

Regel: Jede Szene beginnt mit einer korrekt formatierten Szenenüberschrift (INT./EXT., klarer Ort, klare Tageszeit, alles in Großbuchstaben, keine Emotionen oder Bewertungen).

Dialog

Beim Dialogformat geht es um Übersichtlichkeit. Jede sprechende Figur erhält eine eigene Dialogeinheit: zuerst der Figurenname in Großbuchstaben, zentriert oder leicht eingerückt, darunter der eigentliche Text. Im Abschlussprojekt solltest du alle wiederkehrenden Figuren mit demselben Namen bezeichnen. Wenn du einmal „ANNA“ und später „AN“ schreibst, wirkt das wie zwei verschiedene Figuren.

Sprichernamen in Dialogzeilen werden ohne Zusatz beschrieben, etwa: ANNA. Nur in Sonderfällen kommen Zusätze hinzu, zum Beispiel ANNA (O.S.) oder BEN (V.O.). Diese Markierungen benutzt du nur, wenn die Stimme hörbar ist, die Figur aber nicht im Bild. Nutze sie sparsam, aber korrekt: O.S. für Figuren, die sich in derselben Szene an einem anderen Punkt im Raum aufhalten, V.O. für Off-Kommentar oder Gedanken, die klar als Voice Over angelegt sind.

Parentheticals, also kleine Regieanweisungen wie (leise) oder (ironisch), können Anfängern helfen, eine Linie zu finden, aber in einem ausgereifteren Drehbuch sollten sie selten vorkommen. Wenn du sie nutzt, platziere sie direkt unter dem Figurenamen und vor der ersten Dialogzeile. Ein Parenthetical ersetzt keine Handlung: „(geht ans Fenster)“ gehört eher in die Handlungsbeschreibung als in Klammern in den Dialog. Nutze Parentheticals wirklich nur dann, wenn sich eine wichtige Betonung oder eine klare Sprechsituation aus dem Kontext nicht von selbst ergibt.

Achte beim Überarbeiten darauf, wie der Dialog auf der Seite aussieht. Lange, ununterbrochene Blöcke über viele Zeilen wirken schwer und sind am Set schwer spielbar. Kürzere Einheiten wirken filmischer, erzeugen Tempo und erleichtern das Lesen. Technisch musst du nichts „verschönern“, aber du musst vermeiden, dass Dialoge optisch wie Monologseiten aus einem Theaterstück aussehen.

Auch Unterbrechungen und Überlappungen folgen einem festen Muster. Wenn ein Satz abbricht, weil jemand unterbricht, verwendest du in der Dialogzeile drei Punkte oder einen Gedankenstrich, aber du veränderst das Format nicht. Wenn Figuren überlappend sprechen sollen, reicht in einem Ausbildungsdrehbuch meist ein kurzer Hinweis in der Beschreibung, statt komplizierter gleichzeitiger Dialogblöcke.

Zum Abschluss der Überarbeitung gehst du alle Dialogstellen noch einmal nur formal durch: Ist jede sprechende Figur klar gekennzeichnet? Sind alle Voice Overs und Off-Screen-Momente korrekt markiert? Gibt es überflüssige Parentheticals, die du streichen kannst, weil die Handlung sie schon klar macht?

Regel: Figurenname in Großbuchstaben, darunter Dialog als eigener Block, Parentheticals nur sparsam und nur für eindeutige Sprechhinweise, O.S. und V.O. korrekt verwenden.

Handlungsbeschreibung

Die Handlungsbeschreibung ist der Ort, an dem du sichtbar machst, was das Publikum später sehen und hören kann. Formal bedeutet das: Präsens, aktive Verben, kurze, klare Sätze, keine literarischen Ausschmückungen, keine inneren Monologe. In deinem Abschlussdrehbuch sollte jeder Absatz der Handlungsbeschreibung nur wenige Zeilen lang sein. Lange Textwände erschweren das Lesen und verdecken den Rhythmus der Szene.

In der Überarbeitungsphase gehst du jede Szene durch und prüfst, ob deine Sätze wirklich filmisch interpretierbar sind. „Anna ist traurig“ ist als reine Gefühlsinformation nicht filmbar. Stattdessen beschreibst du, was ihre Traurigkeit sichtbar macht, zum Beispiel: „Anna sitzt reglos am Küchentisch, die Hände um eine kalte Kaffeetasse, der Blick auf einen Punkt im Nichts gerichtet.“ Du erklärst nicht, du zeigst beobachtbares Verhalten. Das ist keine Stilfrage, sondern eine Formatfrage: Drehbücher sind Arbeitsdokumente für eine visuelle Umsetzung.

Auch bei Beschreibungen gilt: Nur das ist wichtig, was eine dramaturgische Funktion hat. Für das Abschlussprojekt bedeutet das, dass du konsequent streichst. Unnötige Adjektive, ausführliche Mode- oder Architekturbeschreibungen ohne Relevanz für Plot, Figur oder Atmosphäre solltest du reduzieren. Wenn ein Gegenstand später als Requisite wichtig wird, wird er bei seinem ersten Auftauchen in Versalien hervorgehoben, zum Beispiel: „Auf dem Tisch liegt eine ALTE TASCHENUHR.“ So machst du im Text sichtbar, dass dieses Element für die Produktion wichtig ist.

Vermeide in der Handlungsbeschreibung Kameraanweisungen und Schnittbegriffe, wo sie nicht unbedingt nötig sind. Ein Ausbildungsdrehbuch sollte zeigen, dass du visuell denken kannst, ohne Regie führen zu wollen. Statt „KAMERA FAHRT AUF ANNA ZU“ genügt oft: „Wir kommen näher an Annas Gesicht. Ihre Augen füllen sich mit Tränen.“ Wenn du Kameraangaben benutzt, sollten sie gezielt eingesetzt sein, nicht als Dauerkommentar.

Ein weiterer formaler Prüfpunkt ist die Tempuskonsequenz. Alles wird im Präsens geschrieben: „Er öffnet die Tür“, nicht „er öffnete“ oder „er hat die Tür geöffnet“. Mischformen wirken sofort unprofessionell. Prüfe am Ende, ob in keinem Absatz der Vergangenheitstempus auftaucht und ob du keine inneren Gedanken in der Beschreibung versteckt hast, die visuell nicht nachvollziehbar sind. Sätze wie „Sie denkt an ihre Kindheit“ funktionieren nur, wenn du das unmittelbar visuell stützt, zum Beispiel mit einer Reaktion oder einem anschließenden Rückblick.

Schließlich spielt der Seitenrhythmus eine Rolle. In der Überarbeitung kannst du mithilfe der Handlungsbeschreibung das Tempo steuern: Kurze, zeilenarme Absätze lesen sich schnell und vermitteln Dynamik. Dichtere Absätze mit mehr Sätzen erzeugen das Gefühl von Verlangsamung oder Schwere. Diese Wirkung entsteht durch Formatierung auf der Seite, nicht nur durch Inhalt. Nutze das bewusst, ohne es zu übertreiben.

Regel: Handlungsbeschreibung immer im Präsens, klar, konkret und visuell, in kurzen Absätzen, ohne innere Gedanken und ohne unnötige Kameraanweisungen. Nur zeigen, was im Bild oder Ton wahrnehmbar ist.

Views: 3

Comments

Please login to add a comment.

Don't have an account? Register now!