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30.1.3. Weitere Bereiche

Games

Games bieten ein eigenes Feld für Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren, weil sie interaktiv sind. Du schreibst nicht nur eine lineare Geschichte, sondern ein System von Möglichkeiten. Zentral ist, dass der Spieler Entscheidungen trifft und sich aktiv durch die Handlung bewegt. Dadurch verändert sich die Rolle des Autors: Du definierst weniger, was genau passiert, sondern welche Ereignisse möglich sind, in welcher Reihenfolge sie auftreten können und welche Konsequenzen Entscheidungen haben.

Ein wichtiges Konzept ist die Trennung zwischen Lore, Story und Moment-to-Moment-Gameplay. Lore beschreibt die Welt im Hintergrund, ihre Geschichte, Mythen und Regeln. Story meint die eigentliche erzählte Handlung mit Figuren, Zielen und Konflikten. Moment-to-Moment-Gameplay ist das, was der Spieler in jeder Sekunde tut: kämpfen, rätseln, erkunden. Als Game-Autor musst du diese Ebenen so verbinden, dass das Spiel sich fokussiert anfühlt und trotzdem frei.

Dialog und Text funktionieren hier anders als im Film. Du schreibst zum Beispiel verzweigte Dialogbäume, alternative Antworten, optionale Gespräche und Reaktionen auf den Spielstil. Figuren müssen auf viele Situationen reagieren können, ohne künstlich zu wirken. Häufig schreibst du kurze, modular einsetzbare Sätze, die sich in unterschiedlichen Kontexten noch sinnvoll anfühlen. Auch Menüttexte, Tutorials, Quest-Beschreibungen und Item-Texte gehören zum Job und tragen zum Storytelling bei.

Eine besondere Herausforderung ist die nicht-lineare Struktur. Der Spieler kann Inhalte in unerwarteter Reihenfolge erleben oder sogar komplett verpassen. Darauf musst du in der Planung reagieren. Wichtige Informationen dürfen nicht nur an einer einzigen Stelle erklärt werden. Zugleich soll der Spieler sich belohnt fühlen, wenn er optionalen Content entdeckt. Du arbeitest deshalb eng mit Game Design, Level Design und UX zusammen, um zu klären, wo Informationen platziert werden, wann Zwischensequenzen sinnvoll sind und wann Story besser über Umgebung, Gameplay oder Sound vermittelt wird.

Technisch arbeitest du oft in speziellen Tools, die Dialoge und Story-Logik verwalten, etwa Node-basierte Systeme oder eigene Editoren. Du musst also nicht programmieren können, aber ein Verständnis für Logik, Bedingungen und Variablen hilft enorm. Viele Game-Autoren schreiben außerdem auf Englisch, selbst bei deutschsprachigen Studios, weil der internationale Markt wichtig ist.

Typische Aufgaben sind die Entwicklung des Worldbuildings, die Ausarbeitung der Hauptstory, das Schreiben von Quests, Nebenmissionen und Charakterbögen, Dialoge, Item- und UI-Texte und manchmal auch die Mitarbeit an Cinematics. Je nach Studio bist du mehr Narrative Designer, also an Struktur und Integration der Story ins Gameplay beteiligt, oder klassisch Schreibender, der vor allem Texte liefert. In der Praxis überschneiden sich diese Rollen oft.

Werbung

In der Werbung ist Storytelling extrem verdichtet. Du hast meist nur wenige Sekunden, um eine kleine Geschichte mit Beginn, Konflikt und Auflösung zu erzählen und gleichzeitig eine Marke zu positionieren. Deine Aufgabe ist es, Aufmerksamkeit zu gewinnen, Emotionen zu wecken und eine klare Botschaft zu vermitteln, die zur Marke passt.

Das bedeutet, dass du in der Regel nicht mit langen Figurenbögen arbeitest, sondern mit Typen und klar erkennbaren Situationen. Ein Spot braucht sofortige Orientierung: Wer, wo, was ist das Problem, was ist die Lösung. Im Zentrum steht dabei fast immer eine Idee, die sich in einem Satz beschreiben lässt. Aus dieser Idee entwickelst du den Spot, nicht umgekehrt.

In Agenturen arbeitest du meist im Team mit einem Art Director. Zusammen entwickelt ihr ein sogenanntes Key Visual und eine erzählerische Leitidee, die über mehrere Formate funktionieren kann: TV-Spots, Online-Spots, Social-Media-Clips, Pre-Rolls, Out-of-Home-Varianten. Als Texterin oder Texter kümmerst du dich um Struktur, Dialog, Off-Text, Claims und gegebenenfalls Voice-Over. Die Bildgestaltung liegt stärker beim Art Director, aber das Storytelling muss mit Bild und Ton gedacht werden.

Wichtig ist die Markenidentität. Jede Marke hat Tonalität, Werte und Versprechen, die in allen Geschichten mitschwingen sollen. Du erzählst also nie eine neutrale Geschichte, sondern immer eine Geschichte im Dienst einer Marke. Dabei musst du sowohl kreative als auch rechtliche und praktische Grenzen beachten, etwa Produktspezifika, Zielgruppenalter, Sendezeiten und Regularien.

Im Unterschied zum klassischen Film ist der Produktionszyklus oft sehr schnell. Ideen werden gepitcht, verworfen, überarbeitet und manchmal radikal umgebaut, je nach Feedback von Kunde, Agenturleitung und Produktion. Du musst deshalb flexibel sein, mit kurzen Deadlines umgehen können und bereit sein, auch funktionale Texte zu schreiben, etwa Produktinfos oder Disclaimer, die trotzdem elegant wirken sollen.

Audio

Im Audiobereich erzählst du Geschichten ohne Bild. Das gilt für Hörspiele, Hörserien, Audio-Dramen, erzählerische Podcasts und fiktionale Teile von Dokus. Du arbeitest primär mit Stimme, Geräuschen, Musik und Stille. Alles, was im Kopf des Publikums entsteht, muss aus dem kommen, was es hört.

Für das Schreiben bedeutet das, dass du Szenen stark über Klang strukturierst. Du denkst in akustischen Räumen: Straßenlärm, Halle, kleines Zimmer, Wald. Geräusche definieren Ort und Handlung, zum Beispiel Schritte, Türen, Gläser, Maschinen, Wetter. Dialog trägt viel Information, muss aber gleichzeitig lebendig bleiben und darf nicht zu erklärend wirken. Statt zu beschreiben, was man im Film einfach sehen würde, suchst du nach Handlungen, die hörbar sind.

Die Figuren brauchen klar unterscheidbare Stimmen, sei es durch Besetzung, Sprechweise, Dialekt oder typische Formulierungen. Da keine visuellen Hinweise existieren, muss dem Publikum immer klar sein, wer spricht und wo wir uns ungefähr befinden. Das erreichst du durch gezielte Anreden, geschickte Übergänge und bewusste Platzierung von Infos zu Ort und Zeit im Dialog oder im Off.

Strukturell sind Hörspiele und Audio-Serien oft episodenhaft aufgebaut. Cliffhanger spielen eine große Rolle, weil viele Formate gestreamt oder als Podcast gehört werden. Die Längen können stark variieren, von kurzen Formaten bis zu einstündigen Episoden. Du entwickelst häufig Bibeln und Staffelbögen ähnlich wie im Serienbereich, nur eben spezifisch auf Audio zugeschnitten.

Die Zusammenarbeit mit Regie, Tonmeister und Sounddesign ist zentral. Beim Schreiben solltest du schon eine Vorstellung davon haben, welche Sounds wichtig sind und wie sie eingesetzt werden könnten, auch wenn du keine technischen Details beschreibst. Regieanweisungen im Manuskript sind in der Regel knapper als im Film, konzentrieren sich aber auf das, was akustisch relevant ist: etwa Geräusche, Stimmungen, Bewegungen im Raum oder besondere Betonungen.

Animation

In der Animation gelten grundsätzlich die gleichen Dramaturgie-Regeln wie im Realfilm, aber die Umsetzung ist freier. Alles, was man zeichnen oder am Computer erzeugen kann, ist theoretisch möglich. Gleichzeitig ist genau diese Freiheit eine Verantwortung: Ohne klare Entscheidungen wird alles beliebig.

Die Entwicklung von Figuren und Welten ist in der Animation besonders wichtig. Häufig richten sich Animationsfilme an Kinder, Familien oder ein breites Publikum, das visuell anspruchsvoll ist. Figuren müssen schon in ihrer Silhouette unverwechselbar sein, und ihre Persönlichkeit soll sich im Design, in der Körpersprache und im Bewegungsstil spiegeln. Als Autorin oder Autor arbeitest du deshalb eng mit Character Design und Storyboard zusammen. Du denkst in Bildern, in Gags, in visuellen Ideen.

Zentral ist die Vorproduktion. Bevor Animation teuer wird, muss das Buch sitzen. Storyboards, Animatics und Rewrites sind Standard. Dein Drehbuch wird früh visuell umgesetzt, getestet und dann oft mehrfach überarbeitet. Szenen können gestrichen, umgestellt oder komplett neu erdacht werden, wenn der Rhythmus oder die emotionale Wirkung noch nicht stimmt. Dialog ist meist prägnant und rhythmisch, damit er gut zur Animation passt und in vielen Sprachen synchronisiert werden kann.

Viele Animationsprojekte sind stark auf Set Pieces und visuelle Sequenzen ausgerichtet. Du planst also nicht nur Dialogszenen, sondern auch pantomimische Momente, Slapstick, Verfolgungsjagden und musikalische Passagen. Oft kommen Lieder hinzu, vor allem in familienorientierten Projekten. Dann arbeitest du mit Songwritern zusammen und musst darauf achten, dass Songs die Dramaturgie tragen und nicht nur dekorativ sind.

In Serien-Animation, etwa für Kinderprogramme oder Streamingformate, spielen wiederkehrende Strukturen eine wichtige Rolle. Jede Episode braucht eine kleine abgeschlossene Geschichte, gleichzeitig gibt es oft übergeordnete Figurenbögen und Themen. Die Episodenlänge ist häufig fest definiert, etwa 7, 11 oder 22 Minuten. Du lernst also, sehr präzise auf Länge und Rhythmus zu schreiben.

Ein weiterer Punkt ist die Zielgruppe. Viele Animationsprojekte müssen gleichzeitig Kinder und Erwachsene ansprechen. Du arbeitest mit verschiedenen Humorebenen, klaren Emotionen und Themen, die auch für Eltern relevant sind. Dabei gelten oft strenge inhaltliche Vorgaben, etwa zu Gewalt, Sprache oder bestimmten sensiblen Motiven. Du bewegst dich also in einem klaren Rahmen, innerhalb dessen du kreativ werden kannst.

In allen diesen Bereichen gilt: Die Grundlagen des Storytellings bleiben gleich. Ziele, Konflikte, Entscheidungen und Veränderungen sind immer die Basis. Was sich ändert, sind Medium, Formate, Arbeitsweisen und der Grad an Interaktivität oder Visualität, den das jeweilige Feld verlangt.

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