KAHIBARO Bookshelves
Discord Login Register

15.2.1. Seitenlayout

Schriftart

In der professionellen Drehbuchwelt gilt Courier oder eine sehr ähnliche nichtproportionale Schrift (Monospace) als Standard. Am gebräuchlichsten ist Courier 12 pt, oft in Varianten wie Courier Final Draft, Courier Prime oder Courier New.

Der Grund ist nicht Geschmack, sondern Technik: Jede Figur und jedes Zeichen nimmt bei einer Monospace-Schrift gleich viel horizontalen Platz ein. So lässt sich die Textmenge auf der Seite zuverlässig in Laufzeit übersetzen. In proportionalen Schriften wie Arial oder Times New Roman sind manche Buchstaben breiter, andere schmaler, die Dichte pro Zeile schwankt stark und die Laufzeit-Schätzung wird unzuverlässig.

Regel: Verwende für Drehbücher immer eine Courier-Variante als nichtproportionale Schrift.

Wenn du mit spezieller Drehbuchsoftware arbeitest, ist Courier in der Regel voreingestellt. In Textverarbeitungen wie Word oder Google Docs musst du die Schrift selbst wählen und sicherstellen, dass sie nicht automatisch durch eine andere Schrift ersetzt wird, etwa beim PDF-Export.

Schriftgröße

Die Standardgröße für Drehbücher ist 12 Punkt. Diese Größe ist ebenfalls Teil des „Laufzeit-Kodex“, weil sie in Kombination mit Courier und den üblichen Rändern zu einer relativ konstanten Wort- und Zeilenzahl pro Seite führt.

Eine kleinere Schriftgröße produziert zwar „mehr Inhalt pro Seite“, zerstört aber die Orientierung für alle, die mit Drehbüchern arbeiten. Leser, Regie, Produktion und Redaktion verlassen sich darauf, dass eine Drehbuchseite eine bestimmte Informations- und Zeitdichte hat. Abweichungen erschweren Planung und Kalkulation.

Regel: Standardgröße ist Courier 12 pt. Keine Experimente mit kleineren oder größeren Größen.

Wenn deine Software beim Druck oder PDF-Export Skalierung anbietet, achte darauf, dass die Schriftgröße nicht effektiv verkleinert wird. Für das Auge soll der Text in der finalen Datei weiterhin wie Courier 12 pt wirken.

Seitenränder

Standardisierte Seitenränder sind wichtig, damit:

Produktion und Regie am ausgedruckten Buch Randnotizen machen können.
Beim Heften oder Lochen kein Text verloren geht.
die Zeilenlänge ungefähr konstant bleibt.

Im US-Standard (der auch im deutschsprachigen Raum weitgehend übernommen wurde) haben sich ungefähr folgende Maße etabliert:

RandUngefährer WertFunktion
Linksca. 3,0–3,5 cmPlatz für Heftung und Notizen
Rechtsca. 2,0–2,5 cmoptischer Rand, Notizen
Obenca. 2,0–2,5 cmTitelzeile, Kopfnoten
Untenca. 2,0–2,5 cmPlatz für Seitenzahlen, Notizen

Drehbuchprogramme setzen diese Ränder in der Regel automatisch. In Word oder ähnlichen Programmen musst du sie selbst konfigurieren und zusätzlich Tabulatoren oder Formatvorlagen anlegen, damit Dialog und Szenenüberschriften an den richtigen horizontalen Positionen beginnen. Entscheidend ist nicht die exakte Millimeterzahl, sondern dass deine Ränder so eingestellt sind, dass die Seite aussieht wie ein professionelles Drehbuch und etwa 54 bis 60 Zeilen umfasst.

Regel: Großzügiger linker Rand, insgesamt klare Ränder. Kein Text darf bis an den Papierrand reichen.

Seitenzahlen

Seitenzahlen sind für alle Arbeitsabläufe unverzichtbar. Produktion, Regie, Ausstattung und Schnitt sprechen ständig in Seitenangaben. Auch bei Feedbackgesprächen geht es um Formulierungen wie „Auf Seite 47 passiert …“.

Üblich ist folgende Handhabung:

Die Seitenzählung beginnt auf der ersten Seite der Geschichte, also in der Regel bei der ersten Szenenüberschrift nach eventueller Titelseite.
Die Titelseite selbst erhält keine sichtbare Seitenzahl.
Die Zahl steht oben rechts, klar lesbar, ohne weitere Zusätze wie „Seite“ oder „Page“. Einfach: 2, 3, 10 und so weiter.

In manchen Formaten wird die Seitenzahl zusätzlich in der Kopfzeile leicht eingerückt positioniert, aber wichtig ist vor allem, dass sie konsistent ist und nicht mit dem Fließtext kollidiert.

Wenn du PDF-Dateien verschickst, kontrolliere nach dem Export, ob die Seitenzahlen korrekt übernommen wurden. Manche Layoutfunktionen von Textprogrammen können beim Konvertieren verrutschen oder doppelte Seitenzahlen erzeugen.

Regel: Nummeriere jede Seite ab Seite 1 der eigentlichen Handlung, Zahl oben rechts, klar und ohne Zusätze.

ungefähre Laufzeit pro Seite

Im Drehbuchschreiben gilt eine Faustregel, die für alle Planungen enorm wichtig ist:

Faustregel: 1 Drehbuchseite in Standardformat entspricht ungefähr 1 Minute Film.

Diese Beziehung ist nur dann halbwegs zuverlässig, wenn du dich an das Standard-Seitenlayout hältst: Courier 12 pt, übliche Ränder, typische Formatierung für Szenenüberschriften, Handlungsbeschreibung und Dialog. Je weiter du dich davon entfernst, desto ungenauer wird die Schätzung.

Du kannst dir diese Regel wie eine einfache „Laufszeitfunktion“ vorstellen:

$$
L \approx S
$$

wobei $L$ die Laufzeit in Minuten und $S$ die Seitenzahl ist. Ein Drehbuch mit 100 Seiten entspricht also ungefähr einem 100-minütigen Spielfilm.

In der Praxis gibt es Abweichungen:

Viele Dialogseiten mit kurzen Zeilen führen oft zu kürzerer effektiver Laufzeit.
Lange, dichte Beschreibungen und wenige Dialoge können dazu führen, dass eine Seite etwas länger „dauert“.
Montagen, Actionszenen oder sehr schnelle Schnitte können je nach Inszenierung kürzer oder länger werden als auf dem Papier erwartet.

Trotzdem dient die 1-Seite-gleich-1-Minute-Regel als industrieller Standard für:

Planung der Gesamtlaufzeit (Spielfilm, Serie, Kurzfilm).
Kalkulation von Drehtagen und Budget.
Einschätzung, ob ein Buch für ein angestrebtes Format zu lang oder zu kurz ist.

Wenn du also einen 90-minütigen Film schreiben möchtest, solltest du im Zielbereich von etwa 90 bis 110 Seiten liegen. Ein klassischer 25-Minuten-TV-Slot bewegt sich in der Regel im Bereich von 25 bis 30 Seiten.

Wichtig ist, diese Regel als Daumenregel zu verstehen, nicht als präzise Messung. Sie ist ein Werkzeug für Orientierung und Kommunikation, funktioniert aber nur sinnvoll im Kontext eines korrekt formatierten Seitenlayouts.

Views: 3

Comments

Please login to add a comment.

Don't have an account? Register now!