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15.2.2.3. Zeit

TAG

Die Zeitangabe in der Szenenüberschrift beantwortet eine einfache Frage: Wann findet die Szene statt? Für Einsteiger ist wichtig: In Drehbüchern reicht eine grobe Einteilung, keine Uhrzeiten wie „15:37“. Die beiden Grundangaben sind TAG und NACHT.

TAG verwendest du, wenn die Szene bei Tageslicht spielt. Es geht nicht um die genaue Position der Sonne, sondern darum, ob eine reale Produktion die Szene mit Tageslicht (oder Tageslichtsimulation im Studio) drehen würde. Eine Szene im Büro mit hellem Fensterlicht ist TAG, auch wenn es im Film angeblich 7 Uhr morgens oder 17 Uhr ist. Eine Szene auf einer Straße mit Sonne ist ebenfalls TAG.

Schreibe in der Szenenüberschrift zum Beispiel:
INT. BÜRO – TAG
EXT. MARKTPLATZ – TAG

Die Zeitangabe steht immer am Ende der Szenenüberschrift, nach Ort und Bindestrich. Verwende konsequent dieselben Formulierungen, damit Produktion und Leser sofort erkennen, welche Art von Licht und Stimmung sie erwarten können.

Regel: In Szenenüberschriften immer nur einfache, klare Zeitangaben wie TAG oder NACHT verwenden, keine exakten Uhrzeiten.

NACHT

NACHT verwendest du, wenn die Szene hauptsächlich von künstlichem Licht oder Mondlicht bestimmt ist oder klar in der Dunkelheit spielt. Auch hier ist entscheidend, wie die Szene filmisch realisiert würde: Straßenlaternen, Neonlichter, Autolichter, Innenräume mit eingeschaltetem Licht und dunklen Fenstern gehören zu NACHT.

Beispiele für Szenenüberschriften:
EXT. STRASSE VOR DEM CLUB – NACHT
INT. WOHNZIMMER – NACHT

Wichtiger Punkt: Eine NACHT-Szene kann hell sein, etwa durch viele Lampen oder Neonreklame, sie bleibt trotzdem NACHT, weil draußen Dunkelheit herrscht. Für Drehplan, Lichtkonzept und Budget spielt dieser Unterschied eine große Rolle, deshalb solltest du NACHT nicht nur nach Stimmung, sondern vor allem nach Lichtverhältnissen wählen.

Wenn sich in deinem Drehbuch viele Szenen zwischen TAG und NACHT abwechseln, kann eine saubere und konsequente Kennzeichnung Missverständnisse und teure Fehlplanungen vermeiden.

MORGEN

MORGEN verwendest du, wenn du den Eindruck eines bestimmten Tagesabschnitts brauchst und der Morgen dramaturgisch oder atmosphärisch eine Rolle spielt. Anders als TAG markiert MORGEN nicht nur Licht, sondern auch eine Stimmung: Beginn, Aufbruch, Müdigkeit, Routine oder Neubeginn.

Typische Situationen:
INT. KÜCHE – MORGEN
Die Familie frühstückt, alle sind noch müde.

EXT. FELDWEG – MORGEN
Nebel hängt über der Wiese, erste Sonnenstrahlen.

MORGEN macht Sinn, wenn der Zeitpunkt des Tages erzählerisch wichtig ist. Wenn es sich nur um eine beliebige Szene mit Tageslicht handelt und die Tageszeit keine Rolle spielt, reicht TAG. Verwende MORGEN sparsam, damit es seine Wirkung nicht verliert und der Drehplan nicht unnötig kompliziert wird.

Ein praktischer Test: Würde sich die Bedeutung der Szene ändern, wenn dort TAG statt MORGEN stünde? Wenn nein, schreibe lieber TAG.

ABEND

ABEND setzt du ein, wenn der Übergang zur Nacht, das typische Abendlicht oder die besondere Atmosphäre des Tagesendes wichtig sind. Abendstimmung kann Romantik, Melancholie, Feierabend oder Erwartung ausdrücken. Auch hier gilt: Nutze die Angabe nur, wenn sie dramaturgisch oder visuell etwas beiträgt.

Beispiele:
EXT. PARK – ABEND
Die Sonne steht tief, lange Schatten, warmes Licht.

INT. BAR – ABEND
Der Laden füllt sich langsam, noch nicht volle Nachtstimmung.

ABEND ist häufig ein Zwischenton: noch nicht die tiefe Dunkelheit von NACHT, aber auch nicht das neutrale TAG. Das kann für Bildgestaltung und Produktionsplanung relevant sein. In der Praxis wird ABEND oft wie ein spezialisierter Unterfall von TAG behandelt, denn auch hier ist Restlicht vorhanden oder lässt sich relativ leicht imitieren.

Auch für ABEND gilt: Wenn es nur darum geht, dass es draußen nicht dunkel ist, ist TAG meist ausreichend. Nutze ABEND bewusst, wenn die Szene vom „gefühlten“ Abend lebt.

CONTINUOUS

CONTINUOUS markiert Szenen, die unmittelbar aneinander anschließen, ohne Zeitsprung. Häufig bewegt sich eine Figur nahtlos von einem Ort zum nächsten, und du zerlegst das in mehrere Szenen. CONTINUOUS hilft, diese direkte zeitliche Verbindung zu kennzeichnen.

Beispielabfolge:
INT. FLUR – TAG
Anna rennt den Flur entlang und stößt die Tür auf.

INT. BÜRO – CONTINUOUS
Anna stürmt ins Büro, außer Atem.

Obwohl du in der zweiten Szene keine Tageszeit wiederholst, ist klar, dass sie direkt an die vorherige anschließt. CONTINUOUS bedeutet „ohne Unterbrechung“, also keine Pause, kein Zeitsprung, kein Ortswechsel mit unklarer Dauer. Das erleichtert insbesondere Regie, Kamera und Schnitt die Planung der Blickrichtungen, der Anschlüsse und der emotionalen Kontinuität.

Du musst CONTINUOUS nicht bei jeder aufeinanderfolgenden Szene nutzen. Oft reicht es, die gleiche Zeitangabe zu wiederholen, zum Beispiel:
INT. TREPPENHAUS – TAG
INT. KELLER – TAG

CONTINUOUS ist vor allem dann hilfreich, wenn:
Die Szene mitten in einer laufenden Aktion weitergeht, etwa eine Verfolgung.
Du bewusst zeigen willst, dass kein Zeitsprung stattgefunden hat, obwohl sich der Ort geändert hat.

Regel: CONTINUOUS nur verwenden, wenn die neue Szene exakt in dem Moment weitergeht, in dem die vorherige aufgehört hat. Bei jedem noch so kleinen Zeitsprung eine normale Zeitangabe wählen, etwa TAG oder NACHT.

Wenn du diese wenigen Bezeichnungen konsequent und bewusst einsetzt, sorgst du dafür, dass dein Drehbuch klar lesbar bleibt und die zeitliche Orientierung für alle Beteiligten eindeutig ist.

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