14.3.1. Wortwahl
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Bildung
Die Wortwahl einer Figur ist ein direkter Hinweis auf ihre Bildung, ohne dass du es jemals erklären musst. Eine hochgebildete Figur nutzt meist abstraktere, präzisere Begriffe, komplexere Satzkonstruktionen und Fachwörter, vermeidet aber im guten Drehbuch unnötig lange Sätze. Eine Figur mit wenig formaler Bildung spricht tendenziell konkreter, nutzt einfachere Wörter, mehr Umgangssprache und oft unvollständige Sätze.
WICHTIG: Bildung zeigt sich in der Art, wie jemand spricht, nicht dadurch, dass andere Figuren ständig sagen, die Person sei „intelligent“ oder „ungebildet“.
Um Bildung über Wortwahl sichtbar zu machen, arbeitest du mit drei Stellschrauben: Wortschatz, Abstraktionsgrad und Satzbau. Wortschatz heißt, welche Begriffe eine Figur überhaupt kennt und spontan benutzt. Abstraktionsgrad meint, ob sie über „die wirtschaftliche Situation“ oder nur über „Preise im Supermarkt“ spricht. Beim Satzbau geht es darum, ob sie eher kurze, direkte Sätze formt oder Gedanken verschachtelt und relativiert.
Eine Figur kann hochgebildet sein und trotzdem sehr schlicht reden. Das ist ein bewusster Charakterzug: Sie entscheidet sich, „runterzubrechen“. Der Unterschied: Wenn sie unter Stress gerät oder emotional wird, rutscht sie eventuell in ihre „eigentliche“ Sprachkompetenz zurück, etwa durch präzisere Begriffe oder akademische Floskeln.
Hilfreich ist ein kleines internes „Sprachprofil“ für jede Figur. Beispiel:
| Figurentyp | Typische Wortwahl | Satzbau |
|---|---|---|
| Akademikerin | „These“, „Struktur“, „Konsequenz“ | relativierende Nebensätze, viele „weil“, „obwohl“ |
| Handwerker | „anpacken“, „hinbiegen“, „kaputt“ | kurze, direkte Sätze, Befehlsformen |
| Schulabbrecherin | viel Umgangssprache, Schimpfwörter | Satzabbrüche, unfertige Gedanken |
Wichtig ist Konsistenz: Wenn eine Figur mit niedriger formaler Bildung plötzlich lange theoretische Monologe in Fachsprache hält, wirkt es unglaubwürdig, es sei denn, dies ist bewusst als Geheimnis oder Überraschung angelegt.
Beruf
Der Beruf prägt Wortwahl fast automatisch, weil Menschen ihre Arbeitssprache mit in den Alltag nehmen. Fachbegriffe, Metaphern aus dem Berufsfeld und typische Redewendungen verraten oft mehr über eine Figur als jede Visitenkarte.
Ein Arzt benutzt privat Ausdrücke wie „akut“, „Symptom“, „chronisch“, auch wenn er nicht über Medizin spricht. Eine Anwältin spricht von „Fristen“, „Verträgen“, „Verantwortung übernehmen“. Ein Programmierer verwendet Ausdrücke wie „Bug“, „crashen“, „resetten“, auch in Beziehungsdialogen.
Du kannst berufliche Prägung vor allem über Metaphern zeigen. Wenn eine Figur sagt:
„Wir brauchen einen Plan B, falls das hier kollabiert.“
klingt das anders, als:
„Wir müssen gucken, wie wir das hinkriegen.“
Metaphern aus Berufen:
| Beruf | Typische Metaphern / Wortfelder |
|---|---|
| Arzt | „Diagnose stellen“, „es verheilt“, „Symptom, nicht Ursache“ |
| Trainer | „dranbleiben“, „durchziehen“, „Spielregeln“ |
| Soldat | „Befehl“, „Front“, „Deckung“, „Strategie“ |
| Bäckerin | „zusammenrühren“, „Teig gehen lassen“, „Timing“ |
| Programmierer | „System“, „Fehler im Code“, „Neustart“ |
REGEL: Nutze berufsbedingte Fachsprache sparsam und kontextklar. Das Publikum muss die Bedeutung aus der Situation verstehen können. Fachjargon darf Farbe geben, aber nie Verständlichkeit zerstören.
Achte darauf, dass Berufe nicht nur über Klischeewörter funktionieren. Ein Polizist muss nicht in jedem Satz „Einsatz“ sagen. Wichtiger ist die Haltung in der Sprache: autoritär, abwägend, routiniert, distanziert. Ein Beruf kann auch bewusst in der Wortwahl versteckt sein. Vielleicht spricht jemand sehr präzise über Geldströme und Risiken, lange bevor klar ist, dass er im Finanzsektor arbeitet.
Herkunft
Mit Herkunft ist hier weniger die Nationalität als vielmehr der soziale und kulturelle Hintergrund gemeint. Herkunft prägt Dialekt, Akzent, typische Redewendungen und die Art, über bestimmte Themen zu sprechen.
Regionale Herkunft kann sich in einzelnen Begriffen zeigen, ohne den gesamten Dialog im Dialekt zu schreiben. Zum Beispiel nutzt eine Figur aus Bayern vereinzelt Wörter wie „Freistaat“, „Semmel“, „Bua“, ohne komplett unverständlich zu werden. Eine Figur aus Norddeutschland spricht vielleicht knapper, vermeidet übertriebene Gefühlswörter und nutzt Ausdrücke wie „Moin“ oder „läuft schon“.
Soziale Herkunft wirkt sich auf die Register der Sprache aus, also wie formell oder informell eine Figur spricht. Eine Figur aus einem bildungsbürgerlichen Familienhaushalt sagt eher „Das ist problematisch“ als „Das ist scheiße“. Jemand aus einem raueren Milieu nutzt mehr Slang, Schimpfwörter und direkte Anreden.
Eine einfache Technik ist, drei oder vier typische sprachliche Marker für eine Herkunft zu definieren und konsequent einzusetzen. Das kann sein: bestimmte Begrüßungen, Füllwörter, bevorzugte Schimpfwörter oder bestimmte Satzanfänge. So wirkt die Figur verortet, ohne dass du sie in schwer lesbaren Dialekt drängen musst.
| Herkunft | Typische Marker (Beispiele, nicht als Klischee benutzen) |
|---|---|
| Großstadt | schneller Rhythmus, viele Anglizismen, Unterbrechungen |
| Kleinstadt/Land | mehr Höflichkeitsformen, mehr Erklärungen, langsamere Reaktionen |
| Migrantische Familie | Wechsel zwischen Sprachen, einzelne Lehnwörter, familiäre Anreden |
WICHTIG: Vermeide herablassende oder stereotype Sprache für bestimmte Herkünfte. Wortwahl soll Herkunft andeuten, nicht Menschen karikieren oder abwerten.
Herkunft kann sich auch in Tabuwörtern zeigen. In manchen Milieus werden bestimmte Themen nie direkt benannt, sondern umschrieben. Wenn eine Figur „das Ganze“ oder „die Sache“ sagt, wo eine andere „Schwangerschaft“ oder „Kündigung“ sagen würde, erzählt das viel über ihren kulturellen Hintergrund.
Alter
Alter beeinflusst Wortwahl auf mehreren Ebenen: Wortschatz, Referenzen, Tempo und Grad der Direktheit. Jüngere Figuren benutzen aktuelle Umgangssprache, Internet- und Popkulturreferenzen. Ältere Figuren greifen eher auf Begriffe und Vergleiche aus „ihrer Zeit“ zurück.
Typisch ist, dass Generationen unterschiedliche Füllwörter und Slang benutzen. Eine Teenagerfigur sagt möglicherweise „Digga“, „Cringe“, „Lost“, während eine ältere Figur „Weißt du“, „Naja“, „Ich sag dir“ bevorzugt. Wichtig ist trotzdem, jede Figur individuell zu halten. Nicht alle Jugendlichen reden gleich, nicht alle alten Menschen klingen altmodisch.
Alter zeigt sich auch daran, wie stark Figuren erklären. Kinder fragen viel, nutzen Wiederholungen und konkrete Begriffe. Sie sagen eher „Mir ist schlecht“ als „Mir ist übel“ und benutzen seltener abstrakte Wörter wie „Verantwortung“. Jugendliche testen Grenzen, nutzen Sarkasmus und übertreiben. Ältere Figuren relativieren häufiger und beziehen sich auf Vergangenes: „Früher“, „Damals“, „Zu meiner Zeit“.
Du kannst über Altersunterschiede auch Humor oder Konflikt erzeugen, etwa wenn eine ältere Figur moderne Begriffe falsch verwendet oder eine jüngere Figur genervt auf alte Redewendungen reagiert. Entscheidend ist, dass die Wortwahl die innere Haltung spiegelt. Ein junges Kind, das in sehr erwachsenen Begriffen spricht, wirkt ungewöhnlich. Das kann beabsichtigt sein, etwa um Hochbegabung oder Nachahmung der Eltern zu zeigen.
Ein kleines Raster kann helfen:
| Alter | Typische Merkmale in der Wortwahl |
|---|---|
| Kind | einfache Wörter, viele Fragen, Bilder („Es tut weh wie Feuer“) |
| Teenager | Slang, Übertreibungen, starke Wertungen („mega“, „voll“) |
| Erwachsene | zielorientierte Sprache, Berufsvokabular, weniger Übertreibung |
| Ältere Menschen | Vergleiche mit Früher, Redewendungen, manchmal bedächtiger Rhythmus |
REGEL: Schreibe Figuren nicht „alt“ oder „jung“, indem du sie in Klischee-Slang erstickst. Ein paar gezielte Worte reichen, der Rest kommt aus Haltung, Zielen und Konflikten.
Wenn du Wortwahl bewusst an Bildung, Beruf, Herkunft und Alter koppelst, entstehen Stimmen, die sich klar voneinander unterscheiden, ohne dass du ständig erklären musst, wer diese Menschen sind.
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