KAHIBARO Bookshelves
Discord Login Register

16.6.2. Stil

Präsens

Ein Treatment wird konsequent im Präsens geschrieben. Das gilt sowohl für Handlung als auch für Beschreibungen und Figurenmomente. Du beschreibst, was wir im fertigen Film erleben, als würde es jetzt gerade passieren: „Anna sitzt im Zug und starrt aus dem Fenster.“ Nicht: „Anna saß im Zug“ oder „Anna wird im Zug sitzen“.

Der Präsens-Modus schafft Unmittelbarkeit und hilft, die spätere Filmwirkung im Kopf zu simulieren. Er passt außerdem zu der Funktion des Treatments als Entwicklungsdokument: Produzenten, Regie oder Förderer sollen den Film „live“ vor sich sehen, nicht einen Bericht über etwas Vergangenes lesen.

Achte darauf, diese Zeitform durchzuhalten. Häufige Fehler entstehen vor allem bei Rückblenden und Vorgeschichte. Auch dort bleibst du im Präsens und markierst die Zeitverschiebung über Formulierungen: „Vor fünf Jahren. Tom arbeitet noch in der Bank.“ oder „Später am Abend sitzt er allein in der Küche.“ Du brauchst keine grammatische Zeitverschiebung, sondern klare Übergänge im Text.

Treatment immer im Präsens schreiben. Keine Wechsel in Präteritum oder Futur, auch nicht bei Rückblenden.

erzählerische Form

Ein Treatment ist keine Liste von Szenen, sondern eine zusammenhängende Erzählung in Prosa. Du erzählst die Geschichte, als würdest du sie jemandem spannend nacherzählen, nur etwas strukturierter und klarer. Dabei kombinierst du Handlung, Figurenmomente und emotionale Akzente.

Die Sprache darf lebendig sein, aber bleibt funktional. Du benutzt vollständige Sätze, Absätze, gelegentliche Übergänge wie „währenddessen“, „zur gleichen Zeit“, „einige Tage später“. Du orientierst dich an der Filmstruktur, die das Treatment zusammenfasst, aber du schreibst keinen technischen Ablauf, sondern eine lesbare Geschichte.

Hilfreich ist die Vorstellung eines unsichtbaren Erzählers, der die Geschehnisse neutral beschreibt, ohne literarische Abschweifungen oder ausführliche Innensichten. Innere Vorgänge zeigst du sparsam, am besten dort, wo sie später filmisch ableitbar sind, etwa durch Verhalten oder Umgebung. Statt „Sie fühlt sich schuldig“ eher „Die Schuld lässt sie nicht los. Sie meidet seine Anrufe, löscht jede Nachricht, ohne sie zu öffnen.“

Halte die Erzählung klar strukturiert. Absätze markieren Orts- oder Zeitwechsel, neue dramaturgische Phasen oder Wendepunkte. So bleibt das Treatment trotz Fließtext übersichtlich und vermittelt den Verlauf der Geschichte präzise.

kein Drehbuchformat

Auch wenn das Treatment dieselbe Geschichte wie das Drehbuch erzählt, vermeidest du alle formalen Elemente des Drehbuchformats. Du benutzt keine Szenenüberschriften wie „INT. KÜCHE – NACHT“, keine Dialogzentrierung mit NAMEN: und keine technischen Anweisungen wie „CUT TO“ oder „FADE OUT“.

Dialoge tauchen im Treatment nur in zugespitzter, knapper Form auf, eingebettet in den Fließtext. Das kann indirekt sein („Er macht ihr klar, dass sie gehen muss.“) oder in kurzen, markanten Direktzitaten: „‚Du hast keine Ahnung, was du angerichtet hast‘, sagt sie.“ Längere Dialogblöcke gehören ins Drehbuch, nicht ins Treatment.

Ebenso sparsam gehst du mit Kamera- oder Schnittanweisungen um. Statt „KAMERA FAHRT AUF IHN ZU“ formulierst du erzählerisch: „Er kommt näher, seine Präsenz wirkt bedrohlich.“ Du beschreibst, was im Film wahrnehmbar wäre, ohne die technische Umsetzung festzulegen. Das Treatment soll die Geschichte und ihre Wirkung klären, nicht den späteren Shotplan ersetzen.

Ein praktischer Test: Wenn eine Zeile nur im Drehbuch Sinn ergäbe, ist sie im Treatment fehl am Platz. Alles, was sich nicht als natürlicher Erzählsatz formulieren lässt, deutet auf zu viel Drehbuchformat in deinem Text hin.

Keine Szenenüberschriften, keine Dialogblöcke, keine technischen Befehle im Treatment verwenden. Alles in zusammenhängendem Fließtext erzählen.

visuelle Sprache

Auch ohne Drehbuchformat bleibt das Treatment auf den Film ausgerichtet. Du schreibst nicht wie in einem innerlichen Roman, sondern denkst in Bildern und Situationen. Die Sprache bleibt visuell: Du beschreibst, was man sehen und hören könnte, nicht lange Gedankengänge, die später im Film nicht erkennbar wären.

Statt abstrakter Begriffe nutzt du konkrete Details. „Die Wohnung ist chaotisch“ wird stärker, wenn du es sichtbar machst: „Zwischen Pizzakartons und ungeöffneten Briefen sucht sie ihr Handy.“ Gefühle und Konflikte drückst du, wo möglich, über Handlungen, Gesten, Blicke und räumliche Situationen aus. „Er ist eifersüchtig“ wird zu: „Er beobachtet sie am anderen Ende des Raums, das Glas unberührt in der Hand, den Blick starr auf den Kollegen gerichtet.“

Eine hilfreiche Kontrollfrage ist: „Könnte ein Zuschauer diese Information im fertigen Film wahrnehmen?“ Wenn die Antwort nein ist und es kein kurzer, unbedingt nötiger Hinweis für das Verständnis der Geschichte ist, gehört es meist nicht in das Treatment. Innere Zustände übersetzt du in sichtbare oder hörbare Zeichen. So bleibt der Text nah an der späteren Inszenierung und unterstützt die Entwicklung eines filmischen Gefühls für Rhythmus, Atmosphäre und Bildideen.

Du darfst dabei durchaus starke Bilder andeuten. „Ein einzelner Luftballon hängt noch über dem leeren Tanzparkett“ sagt mehr über das Ende der Party als ein nüchterner Satz wie „Die Party ist vorbei.“ Solche Bildvorschläge machen ein Treatment lebendig, ohne zu detaillierte Regieanweisungen zu geben.

Im Treatment immer in anschaulichen, filmisch vorstellbaren Bildern schreiben. Abstrakte Erklärungen möglichst in sichtbare oder hörbare Momente übersetzen.

Views: 2

Comments

Please login to add a comment.

Don't have an account? Register now!